Über den Dächern Jerusalems
Über den Dächern Jerusalems
Persönlicher Blogeintrag von Julia

Reisen macht mir besonders große Freude. Liebend gerne bin ich unterwegs, entdecke Neues und
lerne mir Ungewohntes kennen.
Von unterwegs bring ich mir dann auch gerne eine Kleinigkeit mit. Im Laufe der Zeit sammelt sich
natürlich immer mehr an. Doch mich von diesen Dingen zu trennen, das kann ich mir (noch) nicht
vorstellen. Und so steht die Tasse aus Irland neben dem Tee aus Singapur, und ganz neu
hinzugekommen sind die handbemalten Schalen aus Israel. Mit jedem Aufenthalt verbinde ich eine
ganz unterschiedliche Zeit und möchte diese nicht missen.
In den zurückliegenden Semesterferien konnte ich eine Freundin in Israel besuchen. Und dabei habe
ich nicht nur die Mitbringsel liebgewonnen, sondern ebenso die vielen Eindrücke. Ein Bild geht mir
dabei nicht mehr aus dem Kopf. Es ist das abfotografierte Bild, was ihr hier sehen könnt.
Am ersten Tag unseres Aufenthalts spazierten wir auf der Stadtmauer um die Altstadt Jerusalems.
Dort entstand das Foto: Über den Dächern Jerusalems. Erstaunlich, was dort alles zu finden ist. Da
steht der Zitronenbaum neben dem Kinderspielzeug, die alte Matratze liegt neben der gewaschenen
Wäsche und die Satellitenschüssel ist direkt neben dem Wasserbehälter platziert. Und in all dem
Durcheinander und der Anhäufung von vielen unnützen und nützlichen Dingen befand sich auf einem
der Dächer das Kreuz. Zwischen all den Dingen, die noch zu gebrauchen oder auch nicht mehr zu
gebrauchen sind, steht das Kreuz.
Dieses Bild hat mich mit Fragen weitergehen lassen: Wohin lege ich all meine Dinge ab, die ich nicht
gebrauche? Wo ist der Ort, an dem ich die Sachen aufbewahre, von denen ich nicht loslassen kann?
Was sind die schönen Erinnerungen, Ansammlungen in meinem Leben und was ist aber auch der
Müll in meinem Leben? Wo sollte ich in meinem Leben einmal au&äumen? Und weiß ich, wo ich ihn
abladen kann, wohin ich mit dem Müll meines Lebens gehe?
Ich glaube, dass es einen Ort gibt, an dem ich alles abladen kann: Am Kreuz.
Das Kreuz auf dem Dach des Hauses in Jerusalem hat es mir vor Augen geführt, was ich glaube. Und
in der Osterzeit ist es mir noch einmal wieder sehr bewusst geworden. Das Kreuz ist da und es ist der
Ort, an dem ich alles abladen kann. Meine Sorgen, meine Freude, meine Erinnerungen, meine
Zukunftsängste. Das Kreuz kann mitten in meinem Leben stehen, so wie es eben auch auf dem Dach
zwischen all den Dingen steht. Das Kreuz ist der Ort, weil Jesus es zu diesem gemacht hat. Er starb
am Kreuz und mit seinem Tod darf auch ich diesen Ort zu meinem Ort der Veränderung, des
Neuanfangs, des Vergebens machen.
Ich bin dankbar für diesen Ort und ich bin dankbar, dass er nicht abseits meines Lebens steht, sondern
über meinem Leben — so wie über den Dächern der Häuser in Jerusalem.