Semesterferien
Semesterferien
Persönlicher Blogeintrag von Julia

Semesterferien… sie bedeuten seine Tage freier gestalten zu können, keine Veranstaltungen oder sonstige universitäre Termine. Also Zeit, um zu reisen oder umzuziehen oder eine Hausarbeit zu schreiben. Ja, diese Hausarbeiten. Sie bieten sich an, um sich intensiv mit einem Thema auseinander zu setzen, mehr zu verstehen, möglichen Fragen auf den Grund gehen. Aber sie heißen auch, stundenlang in der Bibliothek zu sitzen, sich der Aufgabe nicht gewachsen zu fühlen, sich selbst nicht als kompetent anzusehen und das Gefühl: Das schaff ich nie, immer wieder neu auszuhalten.

Semesterferien… wahrscheinlich eine Zeit, die ich dennoch nach dem Studium sicherlich vermissen werde.

Zum Ende dieser Semesterferienzeit wäre es dann gut, die gerade noch fragmentarische, unübersichtliche und ergebnissuchende Arbeit fertig gebracht zu haben. So sitze ich nun in der Bibliothek. Versuche zu verstehen und möchte erkennen, was Theologen vor mir gedacht haben; versuche Worte und Gedanken auf die Tasten meines Laptops zu übertragen, damit sich das Blatt Papier füllt und möchte mehr für mein Leben sehen.

Hinter mir streifen die Finger über die Tasten, ob sie bald fertig ist? Neben mir werden Videos bei youtube angesehen, ob er sich nicht bald alle Videos angeschaut haben müsste? Vor mir wird wieder einmal Tee in den Becher gegossen, ist sie bald wieder gesund? Mitten drin: Ich. Dazu dieses Schweigen. Keiner spricht ein Wort. Ich lese zum 25x Psalm 29. Schweigen.

Es beginnt mit einem Lobruf auf Gott – wann habe ich Gott das letzte mal mein Lob gebracht? Schweigen….

Es geht weiter mit Schilderungen, die Gott in der Natur beschreiben – das Gott für das Gewitter verantwortlich sein soll, das glaubt doch heut kein Mensch mehr. Ich denke an die Nachrichten. Schweigen….

Und am Ende wird Gott als der ewige König erkannt! Es schließt sich die Bitte an, dass er sein Volk segne und Frieden gebe. – Ja, Segen und Frieden, das möchte ich auch. Kannst du es schenken Gott? Schweigen….

Doch all dies können nicht die Ergebnisse meiner wissenschaftlichen Arbeit sein. Also wälze ich weiter in den Kommentaren, entschlüssele die hebräische Grammatik, vergleiche Paralleltexte, lese Aufsätze und versuche tiefer zu blicken, mehr zu erkennen. Was steckt hinter diesem Psalm? Wann wurde er gesprochen? Zu welchem Anlass? Was sagt er über Gott aus? Was glaubten die Beter des Psalms, worauf haben sie sich verlassen und wovor fürchteten sie sich? Ich mache mich auf die Suche.

Und vielleicht, am Ende des Tages, sind es dann doch auch meine Worte: Gott, du bist König über Himmel und Erde. Du herrschst und regierst bis in Ewigkeit. Das habe ich erkannt und glaube!