Landei auf der Suche nach… Herzverbundenen
Landei auf der Suche nach… Herzverbundenen
Persönlicher Blogeintrag von Caroline

Ihr wisst bereits: Ich komme vom Dorf. Und ich weiß ja nicht, wie das bei denjenigen von euch ist, die ähnlich sozialisiert sind, aber bei mir in der Heimat haben fast alle eine Lehre gemacht. So auch zum Beispiel mein kleiner Bruder, mein älterer Cousin und auch einige meiner Schulfreundinnen. Allerdings ich wusste schon in meiner Jugend, dass ich Theologie studieren möchte. Ich weiß, es ist ein Tabu-Thema, aber: Ich hatte schon früh das Gefühl, dass es eine Berufung gibt.

Als ich dann nach Göttingen kam, zog ich für insgesamt sechs Semester ins Theologische Stift – ein kirchlich subventioniertes Wohnheim. Ich hatte eine wunderbare Zeit dort. Genau das Richtige für mein Landei-Herz. Wir waren eine kleine Gemeinschaft. Wir waren eine Familie. Und wenn es im Griechisch- Kurs mal sehr schlecht für mich lief oder wenn ich großes Heimweh hatte, konnte ich an den Türen meiner Nachbarinnen klopfen und bekam neben den Karteikarten und Lernunterlagen der anderen auch tränentrocknende Taschentücher und seelenschmeichelnde Schokolade.

Oft habe ich gedacht, dass ich besser die Schule nach der 10.Klasse hätte beenden sollen. Ich habe mir tausendfach vorgestellt, welchen Ausbildungsberuf ich einschlagen hätte können. Oft kam mir in den Sinn jetzt auf der Stelle das Studium zu schmeißen, die Koffer zu packen und nie wieder zu kommen. Ich dachte, ich könnte im Nachbarort Erzieherin werden, in Kindertagen wollte ich immer Apothekerin werden, mein Papa ist Fliesenleger – das könnte doch vielleicht auch was für mich sein. Aber wenn ich dann mein Zimmer im Stift verlassen habe und bei gemeinsamen Mahlzeiten in Lerngruppen und bei DVD-Abenden den Kreis der Menschen um mich herum mal von außen betrachtete, war mir immer klar: Menschen, wie Carlotta, Aneke, Mathis, Annelie und Eva* hätte ich aller Wahrscheinlichkeit nach nie getroffen, wenn ich meiner Berufung nicht nachgegangen wäre.

Natürlich hängt das nicht unmittelbar mit dem Stift zusammen. Auch außerhalb dieses Hauses habe ich Menschen getroffen und Freundschaften geschlossen, die mich sehr sehr bereichern und die ich nicht missen möchte. Aber, um es klar zu stellen: Es liegt natürlich auch nicht daran, dass Ausbildung an sich einfach schlechter ist – in keinem Falle! Ich glaube es liegt unter anderem daran Mut zu haben. Auf Gott zu hören, ein Risiko einzugehen, eine scheinbare Lücke überspringen.

Ich bin dankbar für die Menschen in Berufen, die unser aller Leben leichter machen. Ich bin dankbar, für die Fülle an Persönlichkeiten, an Möglichkeiten, an Chancen. Ich bin dankbar für die Menschen, die mich in Kindheit und Jugend begleitet haben und mich haben ziehen lassen aus dem Dorf in die Ferne. Im Studium habe ich Menschen getroffen, die ich aus tiefer Seele als Teil meiner Familie liebe. Mit so vielen Menschen bin ich herzverbunden. Dafür bin ich Gott jeden Tag dankbar. Und ich hoffe, euch geht es ähnlich.

*diese kleine Aufzählung ist natürlich unvollständig. Fühlt euch also nicht übergangen, wenn ihr euch angesprochen fühlt, sondern seid aus der Ferne umarmt  <3

 

PS: „Herzverbunden“ ist ein Wort, das ich in Bursfelde gelernt habe. Ein Geschenk. Danke dafür, Klaas.

PPS: Das Theologische Stift in Göttingen hat übrigens auch einen Internet-Auftritt. https://www.uni-goettingen.de/de/81527.html