Landei auf der Suche nach … einer Praktikumsstelle
Landei auf der Suche nach … einer Praktikumsstelle
Persönlicher Blogeintrag von Caroline

Vorbereitung Sommer 2016: Der Beauftragte für Theologischen Nachwuchs aus Hannover meinte zu mir, was meinem Lebenslauf fehlt, sei ein Auslandsaufenthalt. Aha. Das passt mir so gar nicht in den Kram so kurz vor der Examensvorbereitung. Ob ich den nicht den Studienort wechseln möchte? Nein, möchte ich nicht. Vielleicht ein Semester in Jerusalem oder Dubai oder Ägypten? Nein, wollte ich auch nicht. Na, Frau Jäsche, dann aber ein Praktikum in einer Auslandsgemeinde. Ja, ok. Das konnte ich mir vorstellen. Aber wohin? Zu Hause googelte ich mich dann durch die Homepages der deutschen Gemeinden. Ich legte zwei kleine Listen der Vorauswahl an: Eine mit Orten, die ich gern sehen wollte. Und eine zweite mit Pfarrämtern die mich interessieren. Da ich in Pflicht-Gemeindepraktikum einen älteren Mentoren hatte und generell das Team der Hauptamtlichen männlich dominiert war, wollte ich nun etwas anderes: Eine junge Pastorin oder ein jüngeres Pfarrteam. Ich habe Punkte von 1-5 vergeben, addiert und raus kam: Lissabon, Helsinki, Nizza. Ich schrieb dem Pfarrteam in Lissabon eine Mail, dann ein Bewerbungsschreiben und glücklicherweise konnten und wollten sie mich aufnehmen und einige Monate später schickte ich die vorläufig letzte Mail mit meinen Flug Daten.

Lissabon im April 2017: Auslandsgemeindearbeit ist was ganz anderes! Die Deutsche Evangelische Kirche Lissabon (DEKL) trägt sich finanziell quasi selbst – über Mitgliedsbeiträge(die Höhe wird von den Mitgliedern selbst bestimmt), über Geld, dass die beiden Hauptamtlichen an der Deutschen Schule durch Lehre verdienen, durch Kasualien, Konfi- Unterricht und Kollekte/Spenden. Die Arbeit, die sie leisten unterscheidet sich nach meinem oberflächlichen Eindruck sehr von der in Deutschland. Das stellenteilende Ehepaar ist viel mit Orga beschäftigt. Der Gemeindebrief muss selbst gelayoutet werden, übergemeindliche Gottesdienste werden im Team organisiert, Finanzen müssen geklärt werden, Unterricht wird vorbereitet und da es keine*n Küster*in und keine*n Gärtner*in gibt, muss auch der Rasen gemäht, das Unkraut gezupft, der Großeinkauf erledigt und das Antependium gewechselt werden. Es ist viel, wofür das Theologiestudium eher nicht von Nöten ist. Und doch: Die Gemeinde verlangt auf der anderen Seite viel von den beiden. Eigentlich bräuchten sie kein stellenteilendes Ehepaar, sondern zwei volle Stellen.
Die Gemeindemitglieder wohnen über viele Kilometer auseinander, fahren sonntags bis zu zwei Stunden, um in den Gottesdienst und anschließend zum Kirchkaffee zu gehen. Es ist eine tagesfüllende Aktion. Sie alle haben sich aktiv dafür entschieden in Portugal der DEKL beizutreten.
Es ist eine kleine Gemeinde – eine Familie. Sie kennen sich gut. Wissen um einander. Eine von ihnen ist im Krankenhaus. Alle machen sich sorgen. Ihr zu Ehren wird beim Frauenfrühstück, das einmal im Monat stattfindet, ihr Lieblingslied gesungen. Die Welt steht still. Sie beten – und ich mit ihnen. „Herr, sei du bei denen, die gerade bei uns sein können und hilf, dass E. bald wieder nach Hause kommen kann.“ Ich sagen „Amen“ aus tiefem Herzen und habe Tränen in den Augen.