Ich glaube – an den Zweifel.
Ich glaube – an den Zweifel.
Persönlicher Blogeintrag von schaumbuerger

Die Kirche in meiner Heimatgemeinde steht schief – um 40 cm um genau zu sein. So steht sie oben an der Außenmauer ganze 40cm über, kein Wunder, denn wie wir feststellten, wurde der vordere Teil der Kirche auf Sand statt auf massiven Stein gebaut. Sie sackt ab. Steht schief. Reißt ein. Ein paar Betonträger in der Erde sollen sie nun abstützen, ihr Halt geben, den jetzigen Zustand erhalten. Wiederaufrichten geht nicht. Dazu ist es zu spät. Auch wenn die Risse gefüllt und übermalt wurden, wird also etwas zurück bleiben, sichtbar bleiben und erinnern, dass bei uns mehr als der Haussegen schief hing.

Auf Sand gebaut – ich denke an spektakuläre Szenen aus einem Abenteuerfilm. Mit letzter Kraft zieht sich der Held aus der Treibsandgrube. Wie gut, dass man bei diesen Filmen eigentlich immer auf ein Happy End hoffen kann.

Ehrlich gesagt: Ich habe noch nie in so einer Treibsandgrube gesteckt. Höchstwahrscheinlich werde ich das auch nie tun, aber wer weiß. Aber eines kenne ich sehr gut: Zweifel. Zweifel an mir. Zweifel am Happy End. Wenn alles schief steht und zu kippen droht. Wenn man Angst hat. Allein nicht weiter kommt. Situationen, die überfordern, ausweglos scheinen. Woher kommt dann die Liane, an der du dich aus dem Sand ziehen kannst? Die Hand, die zupackt und dich hochzieht, der, der dich nie aufgibt und da ist und alles tut.

Gott schmeißt uns immer wieder Lianen zu. Danach greifen müssen wir aber selber…

Auch wenn die Risse gefüllt und übermalt werden, wird etwas zurück bleiben, sichtbar bleiben und erinnern. Ich werde immer Zweifel haben. Ich werde an ihnen lernen, mich verändern, sicherer werden. Manche Zweifel werde ich überwinden. Andere bleiben. Und das ist gut so. Ohne Zweifel gibt es keinen Glauben.

Vielleicht ist meine Kirche schief. Aber sie steht. Und sie erzählt Geschichten, mit jedem überstehenden Zentimeter, mit jedem übermalten Riss im Deckengewölbe. Sie ist: lebendig. Mein Glaube ist es auch.