Glaube – Liebe – Hoffnung
Glaube – Liebe – Hoffnung
Persönlicher Blogeintrag von MK

Kreuz – Herz – Anker. Gern wird das ja so übereinander gemalt oder gelegt …. Aber dann sieht es meist nur aus wie ein hässlicher Anker. Wobei zugegebener Maßen ein Anker traditionell sowieso nur auf haarigen Matrosenunterarmen neben (Nicht-)Meerjungfrauen mit unproportional großer Oberweite in irgendeiner Liga ästhetischer Ansprüche mitspielen kann. Nach sieben Jahren Theologie- und Antikenstudium muss ich beim Anker sowieso meist nur an seleukidische Overlords und die weniger beliebten Ecken israelischer Religionsgeschichte denken. Das Kreuz find ich super. Glaube? Jesus! Jesus? Kreuz! Bäm – da spart man sich fünfhundert Seiten Dogmatik. Das Herz versteh ich, ist zwar cheesy aber es ist wenigstens eindeutig. Aber je mehr ich drüber nachdenke, desto weniger will mir ein Anker für die Hoffnung einleuchten. Woran denkt man denn beim Wort „Anker“? Schiffe, Piraten, Ketten, Rost, rostige Ketten, Schmierfett, haarige Matrosenarme, haarige Matrosenarme mit Anker, haarige Matrosenarme mit Schmierfett und Anker, die Hauptstadt der Türkei (Gruß an den zweiten Piraten „Gräte“ an dieser Stelle). Ich mein, ich verstehe den Gedanken hinter der Anker-Metapher, aber wieso soll ich „Hoffnung“ partout mit einem klobigen Eisenklotz verbinden der zu nichts anderem taugt, als mich an Ort und Stelle zu halten? Geht Hoffnung nicht nach vorne? Vielleicht habe ich zu viele Videospiele gespielt, aber wenn meine „Hoffnung“ ist, dass ich, wenn mein Leben so richtig an die Wand fährt, immer wieder zu demselben geankerten „Checkpoint“ zurückkehre, hab ich da irgendwie nicht so viel Bock drauf. Wenn wir schon ein Schiffteil nehmen, dann gäb‘ es doch so viel passendere Requisiten für eine Metapher als dieses Altmetall – ein Segel, das Ruder, das Steuerrad, das Krähennest. Zugegebenermaßen, Kreuz und Herz im Krähennest oder Steuerrad sähen auch ziemlich bescheuert aus – aber so viel schlimmer kann es nicht werden.

Da die drei, also Glaube, Liebe, Hoffnung, ja nicht auseinanderzuklamüsern sind, plädiere ich für ein neues, einheitliches Symbol: Ein Kartenhaus. Kartenhäuser kann man nur nach oben bauen, wenn man unten an der Basis arbeitet. Man kann Partien abbauen, nachbessern abreißen, manchmal fällt das ganze zusammen und man muss von vorne anfangen. Man glaubt, man hat fast sein perfektes, alle Karten umfassendes Haus gebaut und dann kommt irgendein Arsch und wackelt absichtlich am Tisch. Oder irgendein armer Schlucker erschreckt einen und man stößt Teile um und es tut ihm mega Leid. Da ist Hoffnung, da ist Glaube, da ist Liebe und zwar immer nur zu dritt. Und da ist Arbeit, Zähneknirschen, Zweifel, Feingefühl, Händezittern, Wutanfälle – Kartenhausbau halt. Aber Glaube – Liebe – Hoffnung – Arbeit –Zähneknirschen – Zweifel – Feingefühl – Händezittern – Wutanfälle ist erstens nicht biblisch belegt, zweitens etwas unbequem im Satzzusammenhang und sieht drittens als Kombinationssymbol vermutlich aus wie eine Plastik, die von den anderen Plastik aus dem Frankfurter Museum für moderne Kunst gemobbt wurde.

Also bleiben wir bei der Kombination aus Kreuz, Herz und Anker. Man könnte es Kranker nennen oder Ankerz, irgendwas, was gut ins Ohr geht. Aber trotzdem find ich Jesus als Segel auch gut. Oder Steuerruder. Das ist zumindest besser als meine „Jesus ist wie Niedersachsen“-Idee.

Glaube, Liebe, Hoffnung ist toll. Aber ich hoffe, dass wir an Zweifel, Arbeit und Zähneknirschen denken. Sonst werden wir bald merken, dass wir irgendwie nur einen hässlichen Anker gemalt haben.