Friedenshoffnungsgänsehaut
Friedenshoffnungsgänsehaut
Persönlicher Blogeintrag von EphraimsTochter

Es ist Themenabend in der Oase. Wir sitzen alle an einem großen Tisch, trinken Saft, knabbern an Studentenfutter und tauschen uns aus. Das Ziel ist es Gemeinsamkeiten zwischen dem Islam und dem Christentum zu finden und darüber ins Gespräch zu kommen. Das heutige Thema: Pilgern. Das passt gut, denn wie ich an diesem Abend lerne ist gerade Dhul-Hidscha, der Pilgermonat der Muslime. Er beendet das Jahr auf dem islamischen Mondkalender und viele Muslime treten in ihm eine Pilgerreise nach Mekka an, denn dies soll jeder Muslim einmal im Leben machen. Wir machen eine Runde und jeder berichtet über seine Erfahrungen mit dem Pilgern. Wir sprechen darüber warum wir pilgern und was es uns bedeutet und stellen fest: Im Islam ist das Ziel sehr wichtig, denn wer Mekka nicht erreicht, der muss es in einem anderen Jahr noch einmal versuchen. Im Christentum scheint der Weg sehr viel wichtiger zu sein, es gibt so viele unterschiedliche Pilgerwege, so viele unterschiedliche Arten zu pilgern. Unglaublich interessant wie facettenreich das Pilgern ist.

Irgendwann beginnt die Diskussion vom Thema abzukommen und plötzlich dreht es sich doch darum welche Religion denn nun die bessere ist. Ich bekomme ein mulmiges Gefühl, denn wegen dieser Frage hat es schon so viel Streit und Krieg gegeben. Doch die Situation wird aufgelöst durch das Bild vom Elefanten, der von mehreren blinden Menschen ertastet wird. Einer hat nur einen Rüssel in der Hand, ein anderer nur ein Bein, doch alle sind sich sicher, der Elefant ist so wie das Körperteil, welches sie gefühlt haben. Doch am Ende ist alles zusammen der Elefant. Wir alle glauben an einen Gott. Wie wunderbar ist die Vorstellung, dass es derselbe ist. Sicher sind von diesem Bild nicht alle im Raum überzeugt. Doch ein Schlusswort von einer jungen Frau bereitet mir Gänsehaut. Mit klarer Stimme sagt sie: „Und auch wenn wir nicht glauben, dass es ein und derselbe Gott ist. Wenn wir uns gegenseitig respektieren und mit Liebe aufeinander zugehen, dann brauchen wir keinen Krieg.“ Sie wiederholt es noch einmal: „Wir brauchen keinen Krieg!“. Und hierbei sind sich alle am Tisch einig.

Zum Schluss lädt die junge Frau alle ein, mit ihr und ihrer Familie das Opferfest zu feiern, eine Einladung, die sich ausdrücklich an alle wendet und mich sehr berührt. Solche Momente, solche Abende, solche Begegnungen und solche Organisationen wie die Oase schenken mir unheimlich viel Hoffnung. Hoffnung auf Frieden.