Die Schönheit von Sprachlosigkeit.
Die Schönheit von Sprachlosigkeit.
Persönlicher Blogeintrag von schaumbuerger

Manchmal wünsche ich mir, immer eine Antwort zu haben. Im Hebräisch-Unterricht zum Beispiel, wenn ich die Vokabel nicht weiß, mein Prof. mich aber dran nimmt. Ich sage „Ich weiß es nicht“ und er fragt jemand anderen, jemanden, der die Antwort weiß. Ich hatte keine.

Meine eigene Schuld, immerhin hätte ich ja mehr lernen können, mich mehr anstrengen, mehr Zeit investieren. Wenn ich mich nur ein bisschen mehr anstrenge, dann schaff ich das schon. Die anderen schaffen das doch auch. Bei Vokabeln vielleicht. Aber was ist mit den großen Fragen?

Die Erwartung, eine Antwort auf eine Frage zu bekommen, ist unglaublich groß. So funktioniert das schließlich. Auf eine Frage folgt eine Antwort, jedenfalls, wenn alles glatt läuft.

Ich habe oft keine Antwort. Wenn ich spontan antworten muss zum Beispiel. Das fällt mir schwer. Ich weiß nichts zu sagen oder verstecke mich hinter einer Aneinanderreihung von Wörtern, die auch ausgesprochen nicht weniger Chaos ergibt als zuvor in meinem Kopf. Und auch, wenn die Frage zu groß ist. Ich habe nicht immer eine Antwort. Das kommt sogar ziemlich oft vor. Und es ärgert mich, ich bin sauer auf mich selbst, habe das Gefühl irgendjemanden zu enttäuschen, mindestens mich selbst und natürlich auch den mit der Frage und dem erwartungsvollen Blick, der auf mich gerichtet ist.

Muss ich wirklich immer eine Antwort haben? Will ich das? Da sind Momente, da sind Fragen auf die ich keine Antwort geben kann. Und das ist ok für mich. Ich habe nicht auf alles eine Antwort. Nicht für mich selbst und nicht für andere. Das ist auch nicht meine Aufgabe und das erwartet auch niemand, denn mein Leben ist keine Hebräisch-Vorlesung. Sprachlosigkeit ist ok. Sprachlosigkeit zeigt, dass ich mich nicht mit einfachen Antworten zufrieden gebe. Dass mich die Frage bewegt. Dass ich nachdenke. Es gibt manchmal Gedanken, die ich nicht aussprechen und Fragen, die ich mir selbst nicht beantworten kann. Sprachlosigkeit fordert heraus, sich der Frage zu stellen und auch der Einsicht, vielleicht nie eine Antwort zu finden.

Ich bin dankbar, dass ich nicht auf alles eine Antwort haben muss. Ich bin dankbar für die Momente, in denen ich mir diese Sprachlosigkeit selbst zugestehe, die Frage als Herausforderung annehmen kann und mich der Stille stelle. Ich bin dankbar für die Gedanken anderer, für ihre Antworten und für ihre Fragen.

Gott ist die Antwort auf die Frage, nach der ich suche.