Allein aus Gnade!
Allein aus Gnade!
Persönlicher Blogeintrag von Julia

Empfangen, was ich nicht verdient habe. Wenn mir so etwas begegnet, dann ist da jemand, der großzügig ist, der mir zugewandt ist, der mich nicht verurteilt, der es gut mit mir meint, der mir vertraut. Doch wo passiert so etwas?

In dieser Welt, in der ich lebe, habe ich ein ganz anders Gefühl, ich nehme etwas ganz anderes wahr: Ich muss einen guten (bis sehr guten) Abi-Schnitt haben und mein Traum-Studium zu bekommen, ich muss im Training immer hervorragende bis Spitzen Leistungen bringen, um beim nächsten Spiel nicht vom Rand des Feldes zu schauen zu müssen. Ich muss in den Beziehungen am besten immer gut drauf sein, damit auch mir die Leute freundlich gesinnt sind und ich nicht verletze. Ich kann mich nur zum Examen melden, wenn ich alle dafür erforderlichen Leistungen vorweisen kann. Ich kann nur in den Dienst der Pastorin, wenn ich dann auch das Examen bestanden habe. Usw. usw.

Wie kann ich von dieser Welt und diesen Anforderungen her glauben, dass es wirklich etwas zu empfangen gibt, was ich nicht verdiene!?

Es ist das christliche Grundprinzip, von der Gnade Gottes zu reden. Und Gnade heißt, dass sich jemand zu mir herabbeugt. Doch wie gelangt dieses christliche Grundprinzip der Gnade Gottes in mein Herz? Wenn ich es doch ganz anders wahrnehme. Wie kann ich Gottes Gnade empfange?

Vielleicht bin ich noch nicht auf der richtigen Spur…  Was heißt denn Gnade wirklich?

Mit den Worten von Paulus heißt es, dass Jesus Christus uns erlöst. Uns die wir alle Sünder sind, macht er ohne Verdienst gerecht aus Gnade (Röm 3). Das ist krass! Es hängt irgendwie alles zusammen. Ich habe keine Verdienste, keine Leistungen vorzubringen und die Gnade macht mich gerecht, sie rettet mich. Die Gnade ist also gut, wenn sie zugleich auch nicht sanft ist. Sie sorgt nicht dafür, dass ich mich wohlfühle. Aber gerecht-Sein durch Gnade, das kann ich nur im Herzen annehmen, wenn ich wirklich verstehe. Verstehen, was ich meiner Seele sooft selbst antue, verstehen, woraus ich gerettet wurde. Und das ist sicherlich das, was es unsanft macht. Denn dazu muss ich mein Herz wohl einer Prüfung unterziehen. Bin ich zu stolz, habe ich Vorurteile, bin ich feige, lieblos, stur, überheblich …?

Ich merke, es dreht sich alles um mich. Es ist nicht die Frage der Gottesliebe oder der Liebe nach meinem Nächsten, die mich beschäftigen. Das möchte ich in Ordnung bringen, um tatsächlich gerettet zu werden. Ich kann es nicht selbst in Ordnung bringen, mich von diesen Gedanken zu befreien. Wo ist der Ort, wohin ich jetzt gehen kann? Ja, zum Kreuz. Es hört sich einfach an. Es hört sich nach dem viel zu oft Gehörten an. Und es ist so grundsätzlich: Jesus spricht mir zu: Ich habe alles in Ordnung gebracht.

Gnade für mich. Und es bleibt dabei, auch wenn ich zweifle und grüble, auch wenn ich nichts Gutes getan habe, auch wenn es mir um meine Ehre ging.

Wenn ich anfangs nur von Leistungen und Verdiensten gesprochen habe, so merke ich jetzt, da ging es nur um mein Tun. In meinem Tun kann ich versagen, erfolglos oder verletzend sein. Doch ich bin nicht das, was ich leiste, ich bin das, was ich aus Gottes Gnade bin. Sein geliebtes Kind. Und als solches darf ich immer wieder neu beginnen. Allein aus Gnade!